Ukraine ein Jahr nach dem Umbruch

Vor einem Jahr haben Vertreter des Majdan in Anwesenheit der Außenminister bzw Repräsentanten der EU und gemeinsam mit dem damaligen Präsidenten Viktor Janukowytsch ein Abkommen zur Befriedung des Landes unterzeichnet. Noch in der gleichen Nacht hat Janukowytsch Kiew verlassen, am nächsten Tag stand bereits seine Residenz Meschihirja Besuchern zur Verfügung. An die Majdanbewegung und ihre Hintergründe ist in den letzten Tagen erinnert worden. Manches darunter, vor allem die das „System Janukowytsch“ kennzeichnenden Merkmale, scheint seitdem vor allem mit Blick auf öffentliche Debatten über den Umbruch und die Folgen „vergessen“. Die Zeitschrift „Osteuropa“ hat als renommiertes deutschspraches Medium dies in Schwerpunkten (vgl. 1/2014, 5-6/2014 und 9-10/2014) aufgearbeitet und eine wichtige Informationsbasis geschaffen.

Auf der gestrigen Trauerfeier in Kiew waren auch „Schande“-Rufe deutlich zu venehmen. Hiermit artikulieren insbesondere diejenigen ihren Protest, wonach etliche bei den Ereignissen vor einem Jahr Beteiligte strafrechtlich noch unbelligt sind. Dies gilt beispielsweise auch für die „Tituschky“, d. h. gewaltbereite, durchtrainierte und gegen Bezahlung agierende vorwiegend junge Männer, die in Kiew und anderen Städten der Ukraine im Auftrag der damaligen Machthaber gegen Anhänger und Sympathisanten der Majdanbewegung brutal vorgegangen sind. Olena Zwarytsch hat dazu für die „Ukrajinska Prawda“ einen aktuellen Beitrag verfasst, der auch auf Hintergründe eingeht. Darin wie auch in den Forderungen vieler Teilnehmer der Trauerfeier spiegelen sich die Defizite bei der Aufarbeitung der Ereignisse. Dies und der Kampf gegen Korruption und Hinterlassenschaften des Janukowytsch-Systems sollten aus ihrer Sicht Priorität haben.

Am 24.2.2015 werden die Außenminister Frankreichs, Deutschlands, Russlands und der Ukraine erneut zur aktullen Lage zusammen kommen. „Minsk II“ und seine Umsetzung sowie die Rolle Russlands dürften dabei besonders im Mittelpunkt stehen. Am heutigen Samstag hat in Moskau eine Kundgebung der Bewegung „Antimajdan“ stattgefunden. Im ukrainischen wie russischen Internet sind Impressionen abrufbar.

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