Ausschreibung der Geschichtswerkstatt Europa

Rückkehr

Im Nachkrieg waren in Europa Millionen von Menschen unterwegs. Hinter ihnen lagen Zwangsarbeit, Kriegsgefangenschaft, frühere Flucht und Vertreibung. Viele kehrten zurück in eine durch den Krieg und seine Folgen veränderte und für sie fremde Umgebung. Wie gelang es diesen Menschen, sich in die neuen Bedingungen einzufinden?

Was entschied darüber, ob sie das Erlebte verschweigen oder mitteilen wollten? Wie gestalteten sich die Gespräche über das Zurückliegende innerhalb der Familien? Welche Rolle spielten Verbände von Verfolgten und heimkehrenden Kriegsgefangenen für die Konstituierung von Erinnerung in den jeweiligen Gesellschaften?

Transfer

Nach 1945 wurden die Kontaktmöglichkeiten zwischen Ost und West kontinuierlich eingeschränkt. Ein Austausch über die Gewalterfahrungen des Zweiten Weltkriegs war über die neue Konfliktlinie hinweg kaum möglich. Mehr noch: In beiden Lagern setzten sich Interpretationen der Kriegsereignisse durch, die dem jeweils anderen Schuld zuwiesen. Dennoch bestanden in der direkten Nachkriegszeit Verflechtungen und Verbindungen zwischen beiden Blöcken fort. Konnten sich auf diesen Wegen alternative Erinnerungsdiskurse entwickeln? Welche Rolle spielten dabei informelle private, wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Netzwerke? Konnten gemeinsame, West und Ost verbindende, Erinnerungen überleben und wenn ja, in welcher Form?

Geschichtspolitik

Die historischen Meistererzählungen, die in der Zeit nach 1945 in Europa entstanden, waren Bestandteil der ideologischen Konfrontation des Kalten Krieges. Sie sollten gesellschaftlichen Zusammenhalt schaffen und blendeten aus, dass es im Krieg selbst teilweise ganz andere Koalitionen gegeben hatte. Sie leugneten die Opfer der jeweils anderen Seite und sollten die Erinnerung an gemeinsame Erlebnisse löschen. Welche Rolle spielte die Geschichtspolitik für die ideologische Formierung der beiden verfeindeten Blöcke? In welchen Formen nationalstaatlicher Geschichtspolitik (Denkmälern, Riten, Heldenerzählungen, Gesängen etc.) wurde diese Erinnerung von oben implementiert? In welchen Situationen kollidierte sie mit dem Gedächtnis lokaler, nichtstaatlicher Akteure?

Weitere Informationen zum Thema und den Förderbedingungen, die FAQs sowie die englische Version des Ausschreibungstextes sind unter www.geschichtswerkstatt-europa.org zu finden.

Eine Projektskizze kann vom 1. April bis zum 15. Mai 2011 über das Online-Formular unserer Webseite eingereicht werden.

Bitte beachten sie die FAQs unter http://geschichtswerkstatt-europa.org/faq.html .

Dr. Jennifer Schevardo, Anna Littke und Manuela Haake

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