Projektergebnisse: Multikulturelle Erinnerung und Beständigkeit der Spuren. Czernowitz in der Bukowina
Projektergebnisse: Multikulturelle Erinnerung und Beständigkeit der Spuren. Czernowitz in der Bukowina
Das Projekt "Multikulturelle Erinnerung und Beständigkeit der Spuren. Czernowitz in der Bukovina" des Programms "Geschichtswerkstatt Europa" der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ veröffentlicht seine Projektergebnisse:
Die Erinnerung kann als ein am meisten subjektiviertes Element der Kultur anerkannt werden. Die den Entstellungen ausgesetzte Erinnerung wird jedoch den übergeordneten Anforderungen der Kohärenz und Kontinuierlichkeit der Erzählung untergeordnet. Deswegen ist die Erinnerung eines Menschen, der seine Erfahrungen zugrunde liegen, jeweils eine unwiederholbare Konstruktion. Ähnlicherweise sind die materiellen Spuren der Vergangenheit und Gedenkstätten verschiedenen subjektivierten Interpretationen ausgesetzt. Das Projekt Multikulturelle Erinnerung und Beständigkeit der Spuren. Czernowitz in der Bukovina hat zum Ziel, „das Phänomen der Erinnerung" in der ukrainischen Bukowina zu erfassen, mit besonderer Berücksichtigung von Czernowitz– der Regionhauptstadt – indem einzelne Erinnerungsschichten zum Thema Kampf um die Integrität und die Identität der Religionsgemeinschaften (der Griechisch-Katholischen, Armenier, Orthodoxen, Protestanten, Juden) angesichts der sich ändernden Grenzen, Staatskörpern und dem II. Weltkrieg rekonstruiert werden. Diese Änderungen haben nicht nur den Status und die Existenz konkreter Konfessionsgruppen beeinflusst – indem die oft symbolischen Kontaktmöglichkeiten zwischen den Ortschaften größer oder kleiner werden – sondern auch – die Erzählungen geschafft, die - dem Integritätsprinzip untergeordnet – verschiedene Gesichtspunkte auf dieselbe Wirklichkeit sind. Die Vergangenheit findet ihre Widerspiegelung in den architektonischen Umbauten und im Stadtraum, der mit den Denkmälern und Andenken den Status eines Zeugnisses gewinnen.
Nach den traumatischen Ereignissen des 20 Jhs. ist zu einem objektiv unzugänglichen Bezugspunkt für viele Gesellschaften geworden, die dank Erinnerung der früheren Einwohner dieser Gebiete – die in Israel, Kanada, Polen oder in Deutschland wohnen –- versuchen, frühere Religionsgemeinschaften wiederherzustellen. Das ab dem 1. April 2009 bis zum 31. Oktober 2009 tätige internationale Team von 12 Personen, zu dem Volontäre, Spezialisten, Liebhaber von Geschichte, Anthropologie und Philologie werden an den Arbeiten teilnehmen (narrative Interwievs mit den Einwohnern von Czernowitz, Die Beschreibung der Architektur und des Stadtraums, der den Charakter eines Zeugnisses hat, benachbarten Ortschaften, "Auswanderern von Czernowitz ", Sammeln und Dokumentieren der Familienarchiven und Andenken), deren Ergebnis ein mehrdimensionales Erinnerungsbild sein soll. Ein wichtiger Bestandteil des Projektes wird die Erstellung der "Topografie der Erinnerung" - Erfassung der Erinnerungen in Bezug auf konkreten Lebensraum von Czernowitz. Anhand der gesammelten Fotodokumentation, Photo story, der aufgeschriebenen und bearbeiteten Erinnerungen soll eine dreisprachige Publikation entstshen, sowie eine Ausstellung, die in Czernowitz, Lemberg, aber auch in Polen und in Deutschland dargestellt werden soll.
Projekthomepage: http://www.chernivtsimemory.net
Projektergenisse: http://www.geschichtswerkstatt-europa.org/abgelaufenes-projekt-details/items/czernivitsi.html
Die Geschichtswerkstatt Europa ist ein Programm der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, das internationale Projekte zur Analyse europäischer Erinnerungskulturen fördert. Ziel ist ein Dialog junger Europäer über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten nationaler, regionaler und lokaler Erinnerungen an die Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts. Für die neue Ausschreibung 2010, nach dem Thema "Pfade der Erinnerung", befassen sich weitere Projekte der Geschichtswerkstatt Europa mit der Ukrainischen Geschichte und die Erinnerung an die Chassidische Kultur der Bukowina, die Kollektive Erinnerung an das vorsowjetische Kiew und die Umsiedlung in der ausgewanderten Polnischen Gemeinde, oder noch an die Erinnerung der Lemko und die Erinnerung an der Vertreibung der Krimtartaren in der jüngere Generation.
Mittwoch, den 12. Mai 2010 um 09:08 Uhr





