Rechter Sektor protestiert gegen mangelnde Reformen – Maria Gajdar in Odessa – Ukrainistik in Greifswald bedroht

Bei einem Treffen der Kontaktgruppe in Minsk hat man sich auf den Abzug von Panzern und leichter Artillerie aus dem Donbass geeinigt. Unter VErmittlung der OSZE soll detailliert festgelegt werden, um welche Waffen es sich handelt und damit umgegangen werden soll. Ob diese Vorgaben eingehalten werden, bleibt abzuwarten, denn in der Vergangenheit waren entsprechende Beschlüsse meist Makulatur.
Mitglieder des „Rechten Sektors“ haben gestern auf dem Majdan in Kiew gegen mangelnde Reformen im Land demonstriert und eine „Vollversammlung“ abgehalten. Sie sprachen der Regierung das Misstrauen aus und forderten den Rücktritt von Präsident Poroschenko. Obgleich öffentlichkeitswirksam vorgetragen und von ausländischen Medien umgehend rezipiert, repräsentiert der Rechte Sektor nur einen Ausschnitt der Bevölkerung. Bei den Parlamentswahlen ist man an der Fünfprozenthürder gescheitert. Allerdings haben seine Kämfper bei den Majdanereignissen 2014 eine bedeutende Rolle gespielt. Gleiches gilt aktuell für den Krieg im Donbass, wo Einheiten des Rechten Sektors kämpfen. Sein Chef, Dmytro Jarosch, sitzt via Direktmandat im Parlament und hat angekündigt, mit einer Unterschriftenaktion in allen Gebieten des Landes Büros zu eröffnen, um der Regierung in Kiew das Misstrauen auszusprechen.
Der schleppende Gang der Reformen und gegen Korruption beschäftigt die Menschen im Lande, die mit zahlreichen Herausforderungen im Alltag zurechtkommen müssen. Berichte über Personen, die in unterschiedlichen Bereichen in Korruptionsfälle verwickelt sind, nehmen zu. Sie sollen nicht zuletzt zeigen, dass etwas dagegen unternommen wird. Einschnitte etwa in den Bereichen Bildung und Wissenschaft sowie Sparmaßnahmen im sozialen Bereich stehen an bzw. werden bereits umgesetzt.
Nach dem ehemaligen Präsidenten Georgiens, Machail Saakashvili, ist nur eine weitere, aus dem Ausland stammende Person in ein Amt im Gebiet Odessa berufen worden. Die Tochter des vormaligen russischen Reformers Jegor Gajdar, Maria Gajdar, ist seit kurzem Stellvertreterin Saakashvilis. Sie hat mit unglücklichen Äußerungen zur Frage der Krym und der Lage in der Ukraine den Zorn nicht nur der sozialen Netzwerke auf sich gezogen. Die Vorbehalte gegenüber der aus Russland stammenden Oppositionspolitikerin sind beträchtlich.
Seit über zwanzig Jahren wird an der Universität Greifswald Ukrainistik gelehrt. Nachdem bereits in den letzten Jahren Einschränkungen hingenommen werden mussten, scheint die Ukrainistik nun endgültig den Sparzwängen zum Opfer zu fallen. Bemühungen, die bereits vor zwanzig Jahren unternommen wurden, Ukrainistik und Ukraineforschung abzusichern bzw. zu etablieren, scheiterten an finanziellen Mitteln oder dem Willen in Wissenschaft und Politik. Es bleibt zu hoffen, dass noch ein Ausweg gefunden wird. Mit zahlreichen Projekten, Forschungsschwerpunkten, Sommerschulen und weiteren Aktivitäten werden Defizite seit längerem kompensiert.

Auf Facebook teilen