Eroberungsdrang im Donbass hält am Samstag an – Sachartschenko befiehlt Feuereinstellung im Gebiet Donezk, Luhansk will dem folgen – OSZE nennt nächste Schritte

Der „Präsident der Volksrepublik Donezk“, Oleksandr Sachartschenko, hat seine Kämpfer per Erlass dazu aufgefordert, gemäß dem Minsker Abkommen ab 00:00 Uhr das Feuer einzustellen. Damit erfüllten die Separatisten im Gebiet Donezk eine wichtige Bedingungen des Abkommens. Eine Videokonferenz der Kontaktgruppe hat laut OSZE bestätigt, das Feuer ab Mitternacht einzustellen. Auch wird man über die Pufferzone verhandeln. Dazu liegt eine vorläufige Karte vor.
Russland plant, den Kämpfern (d. h. den Separatisten) für den Sonntag humanitäre Hilfe zu übergeben. 
Trotz oder gerade aufgrund der verbleibenden Zeit bis 00:00 Uhr am 15.2.2015 halten die Kämpfe an. Insbesondere von Seiten der Separatisten hält der Druck auf den wichtigen Knotenpunkt Debalzewe an. Es hat sich längerem angedeutet, dass bis zu einer möglichen Waffenruhe die Stadt aus Sicht der Separatisten und auch Russlands unbedingt erobert werden muss. Meldungen über mehrere Tausend eingeschlossene ukrainische Soldaten werden von ukrainischer Seite dementiert. Die Präsidenten Poroschenko und Obama haben ein OSZE-MOnitoring über die Ereignisse um und in Debalzewe gefordert.
Indem laut Informationen aus US-Quellen Russland weitere Panzer und sonstiges Gerät über die Grenze in den Donbass geschafft hat, sollen am heutigen Samstag – und dies gilt für beide Seiten – eventuell noch „letzte Gewinne“ im Kriegsgebiet gemacht werden. Gleiches gilt auch für die Bereitschaft, trotz der vorgesehenen Waffenruhe weiter zu kämpfen – die Schlüsselfrage schlechthin. Auch liegen Hinweise vor, wonach man im Falle des Nichterfolgs möglicherweise alles tun wird, um die Infrastruktur zu schädigen. Auch Mariupol steht im Fadenkreuz, jedoch ist die Lage nach Berichten von heute Morgen vergleichsweise ruhig.

Nach wie vor ist das Abkommen von Minsk als „Minsk II“ Gegenstand öffentlicher Interpretationen und Spekulationen. Ab Sonntag dürfte sich das eine oder andere konkretisieren.
Präsident Petro Poroschenko hat einen internationalen Rat für Reformen in der Ukraine einberufen. Zum Leiter des Rates wurde der ehemalige georgische Präsident Michael Saakaschwili ernannt.
Die „Ukraine-Analysen“ widmen sich in der letzten Ausgabe der Lage im Donbass sowie der Lage der Landwirtschaft in der Ukraine.
Die Bevölkerung des Donbass berichtet etwa in Briefen oder Filmen vor allem via sozialen Netzwerke über die Lage an Ort und Stelle. Ein Brief aus Donezk (Übersetzung: Antje Rempe) sei beispielhaft erwähnt.

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