Russische Truppen auf dem Vormarsch – Mariupol im Fokus

 

Wie schon seit Tagen nach realistischer Einschätzung der Lage vermutet, sind russische Soldaten im Donbass im Einsatz. Angaben sprechen von mehreren Tausend. Sie sind mit entsprechender Waffentechnik ausgestattet und unterstützen nicht nur die bereits agierenden prorussischen Einheiten, sondern sorgen auch für Destabiliserung der Lage in und um die Hafenstadt Mariupol im Gebiet Donzek. Mittlerweile haben die Bewohner damit begonnen, eine Verteidigung der Stadt zu organisieren. Die Vermutungen scheinen nicht abwegig, wonach Russland versucht, sich via Landweg einen Zugang zur Halbinsel Krym zu verschaffen. Die bestehenden Verbindungen von der Halbinsel auf das russische Festland sind völlig überlastet. Die Fertigstellung von Brücken dauert. Vor diesem Hintergrund erscheinen Aktivitäten im Südosten des Gebiets Donezk nicht nur der Schwächung der ukrainischen Position, sondern auch der weiteren „Landgewinnung“ durch Russland zu dienen. Im Dialog mit der EU und der NATO versucht die Ukraine, Unterstützung zu erhalten. Aus heutiger Sicht erscheint das kürzliche Treffen in Minsk vielen lediglich als eine Ansammlung von Worthülsen.
Das Ministerkabinett hat auf seiner heutigen außerordentlichen Sitzung den Beschluss gefasst, den blockfreien Status der Ukraine aufzugeben und den Kurs auf eine Aufnahme der Ukraine in die NATO zu erneuern. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll dem Parlament demnächst vorgelegt werden.
Unterdessen kommt durch die Parlamentswahlen im Oktober Bewegung in die politische Szene. Ministerpräsident Arseni Jazenjuk, Parlamentssprecher Oleksandr Turtschynow und der ehemalige Sekretär des Nationalen Rates für Sicherheit und Verteidigung der Ukraine, Andri Parubi, werden vermutlich nicht unter dem Dach der Vaterlandspartei antreten. Es war laut einer Versammlung beschlossen worden, Julia Tymoschenko auf Listenplatz 1 zu setzen. Ob diese tatsächlich an exponierter Stelle antritt, steht noch nicht fest. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob beim Wahlkampf Inhalte oder die bekannten Debatten über einzelne Posten dominieren werden.

Gemäß einem Vorschlag durch Russlands Präsident Putin haben die prorussischen Kämpfer den bei Illowajsk – die Lage dort ist seit einigen Tagen Thema in ukrainischen Medien – umzingelten ukrainischen Soldaten angeboten, ihnen gegen Abgabe schwerer Waffen einen „humanitären Korridor“ für den Rückzug zu eröffnen. Das Angebot Putins macht erneut den Einfluss des Kreml auf die Lage insgesamt deutlich. Seitens der ukrainischen Armee setzt man auf Unterstützung zusätzcliher ukrainischer Truppenteile, um sich aus der Umklammerung zu befreien. 

Am 1. September beginnen wieder die Schulen in der Ukraine. Für viele ist dies kein normaler Schulbeginn. Flüchtlingskinder von der Krym oder aus dem Donbass nehmen am Schulalltag teil. Ob tatsächlich alle am Schulunterricht ab Monatsbeginn teilnehmen können, steht noch nicht fest. Im Donbass sind etliche Schulgebäude zerstört., nach Angaben beispielsweise der Gebietsverwaltung Donezk 170 Gebäude. In den Orten, die von der ukrainischen Armee befreit wurden, hat man mit der Renovierung der Gebäude begonnen. Es muss improvisiert werden.

Russland schlägt für die Ukraine einen Gaspreis von 385 $ pro 1000 m³ vor. Dies wurde im Rahmen eines Treffens von EU-Kommissar Oettinger mit Russlands Energieminister Nowak migeteilt. Anfang September wird über die Frage entsprechend verhandelt.

Auf Facebook teilen