Prof. Bohdan Osadczuk (1.8.1920-19.10.2011)

Im Alter von 91 Jahren verstarb in Myślenice (südlich von Krakau/Polen) der bekannte Journalist, Publizist und Wissenschaftler Prof. Dr. Bohdan Osadczuk. Den im ostgalizischen Kolomea geborenen und seit 1941 in Berlin lebenden Historiker kennzeichnet eine vielfältige und spannende Biographie. Sein Leben war geprägt vom Interesse an der Geschichte und Entwicklung Osteuropas, insbesondere Polens, der Ukraine und der Rolle Deutschlands in dem Kontext. Osadczuk, der sich selbst als „Weltbürger“ bezeichnete, war ständig unterwegs um Hintergrundgespräche zu führen, öffentlich für Ideen zu werben oder Aktivitäten zu unterstützen – und sich in Gesprächen mit der politischen Führung und mit Intellektuellen der jeweiligen Länder einzumischen.
Vielen jüngeren Fachleuten oder Journalisten ist der diskussionsfreudige, auch streitbare, neugierige und humorvolle wie liebenswürdige Bohdan Osadczuk meist rasch im Gedächtnis geblieben. Politische Kontexte, persönliche Erfahrungen und Ergebnisse politischer und gesellschaftlicher Entwicklung verstand er mit ironischer Distanz – gerade auch zu den Verantwortlichen – zu kommentieren. Wie selbstverständlich nahm er trotz seines Alters Reisen zu Tagungen oder besonderen Treffen auf sich, da er dies immer spannender fand als klischeehaft „auf einer Parkbank zu verschimmeln“. Er hat die Tätigkeit des Arbeitsforums und des forumNET.Ukraine mit Interesse und Sympathie begleitet, war Mitwirkender bei zahlreichen Veranstaltungen und hat uns immer motiviert, die Netzwerkarbeit voranzutreiben.
Bohdan Osadczuk war eine bedeutende Persönlichkeit. Dies und sein Vorbild werden in besonderer Erinnerung bleiben.
[Peter Hilkes]

Literaturhinweis:

„Ein ukrainischer Kosmopolit mit Berliner Adresse. Gespräche mit Bohdan Osadczuk (Alexander Korab).“ Aus dem Polnischen von Agnieszka Grzybkowska. Herausgegeben von Basil Kerski und Andrzej Stanisław Kowalczyk. Osnabrück: fibre Verlag 2004 (Veröffentlichungen der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bundesverband e.V., Band 2). 224 S., Abb., € 19,50, ISBN 3-929759-77-2.

Auf Facebook teilen