Umstrittener ukrainischer Schriftsteller Oles' Ulyanenko verstorben

Oles‘ Ulyanenko (Ulyanov, Alexander Stanislavovich) wurde am 8. Mai 1962 im Städtchen Khorol (Poltava Gebiet, Ukraine) geboren. Als 15-Jähriger floh er von zu Hause und ging nach Sankt-Petersburg. Später folgten der Armeedienst in den sowjetischen Landungstruppen in Deutschland und Afghanistan. Seine vielen Reisen, auf denen er auf der Suche nach einem Job, nach Brot, nach einem Platz unter der Sonne war, gaben ihm viel – manchmal bittere, manchmal süße – Lebenserfahrung, die er in seinen späteren Werken zum Ausdruck brachte.

Ulyanenko schrieb mehr als 20 Romane, von denen jeder große Resonanz in der ukrainischen Gesellschaft hervorrief. Den ersten Roman „Stalinka“ veröffentlichte er mit 26 Jahren. Für diesen Roman, der später auch in das ukrainische Schulprogramm aufgenommen wurde, erhielt er 1997 die „Kleine Shevchenko-Prämie“. Auf seine weiteren Romane „Sohn des Schattens“, „Serafima“, „Zeichen des Savaof“, „Sodomblumen“ gab es gemischte Reaktionen. Für den Roman „Zeichen des Savaof“, in dem er beschrieb, wie Mönche miteinander schlafen, saufen, rauchen und schimpfen, belegte ihn die orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats mit einem Bann. Der Autor beteuerte, dass nichts ausgedacht sei und alles auf den Erzählungen von Geistigen beruhe.

Sein nächstes Buch „Die Frau seiner Träume“ rief dann einen noch größeren Skandal hervor: 2009 erklärte die „Nationale Ukrainische Gutachterkommission in Moralfragen“ den Roman zu einem pornografischen Werk, wodurch er aus dem Verkauf genommen wurde. Der Beschluss dieser Kommission rief eine große Welle der Unzufriedenheit in ukrainischen intellektuellen Kreisen hervor. Ulyanenko war der erste Schriftsteller, der gegen diese Kommission vor Gericht ging. Beide Seiten unterschrieben ein Einverständnis, nach dem Ulyanenko einige Korrekturen an dem Text des Buches vornahm, worauf die Kommission ihre Entscheidung zurücknahm. Im April 2010 wurde der Roman mit einer provokanten Performance erneut veröffentlicht. Das letzte Buch Ulyanenkos „Dort, wo der Süden ist“ erschien im Dezember 2009.

Bis zu seinem Tod lebte Oles‘ Ulyanenko in großer Armut, im Alltag oft hungernd. Eine Wohnung in Kiew bekam er erst in den Zeiten unter dem Präsidenten Leonid Kutschma zugeteilt; bis dahin schleif er auf Bahnhöfen oder auf der Straße.

Kritiker nannten seine Werke „originelle, unwiederholbare Gemälde der gegenwärtigen ukrainischen Realität, der Epoche, in der er lebte“.

Quellen: www.telekritika.ua, www.newsru.com, www.gazeta.ua

Zusammengefasst und übersetzt von Oleksandra Bienert (ukkb@gmx.de)

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